Faulensee’s Geschichte

1. Die Höhensiedlung auf der Bürg

Zu den wichtigsten Höhenfestungen des Kantons Bern gehört die Bürg zwischen Spiez und Faulensee. Nach den Ausgrabungsergebnissen von der Jungsteinzeit kam man zum Schluss, dass die Festung den Aareweg nach dem Oberland beherrschte. Dies schreibt Otto Tschumi im Buch „Urgeschichte des Kantons Bern“ unter dem Kapitel „Die Jungsteinzeit“ (Neolithikum).

Auf der Bürg war also eine Siedlung entstanden, deren Bewohner Bauern waren. Warum wurde gerade die Bürg als Siedlungsort gewählt?

Das Seeklima machte sich bemerkbar.
Die Höhenlage bot Schutz für diese Siedlung.

Die Hütten der Bewohner dürften Pfosten oder Blockhäuser gewesen sein. Dafür sprechen die Funde.

Was machten die Menschen?
Sie zähmten das Vieh. sie waren auch Jäger. Aus Röhrenknochen festigten sie Waffen und Geräte an, z.B. Dolche, Ahlen, Nadeln und andere Werkzeuge. Die jagbaren Tiere in dieser Zeit waren neben dem Bär, Wolf, Luchs und Wildkatze das Wildschwein und der Hirsch. Auf der Bürg fand man vorwiegend Knochen von Hirschen und Wildschweinen.

In flachen Einbäumen fuhren unsere Bürgbewohner auch auf den See um zu fischen. Der Fischreichtum des Sees wurde schon in frühesten Überlieferungen erwähnt.

Wie sieht die Bronzezeit auf der Bürg aus?
Allgemein ist bekannt, dass das Klima wärmer geworden war. Buche und Weisstanne kamen in den tieferen Lagen zur Vorherrschaft. Unsere Bürgbewohner, den Urkelten zugerechnet, fallen immer noch unter den Begriff der „Pfahlbauer“. Ein seltener Fund dieser Zeit ist ein geschnitztes Pferdegebiss aus Knochen, das auf die Einführung der Pferdehaltung hinweist. Solche Knebeltrensen kommen nach O.Tschumi in den Pfahlbauten öfters vor und gehören teilweise schon der Urnenfelderzeit an, welche den Übergang zur Eisenzeit bildet.

Wo bestatteten die Bewohner der Höhensiedlung ihre Toten?
Interessanterweise konnten auf der Bürg keine Gräber gefunden werden. Anlässlich einer Begehung mit Herrn Sarbach (er war massgeblich an den Ausgrabungen der Bürg beteiligt ) entnehmen wir, dass die Toten dort bestattet wurden, wo sich der heutige Friedhof von Faulensee befindet.

1976 wurde vom Verfasser dieses Berichts auf der Brunnialp auf 1635 m.ü.M. ein Steinbeil aus Serpentin gefunden. Dieses Beil wurde sicher nicht nur zum Fällen von Bäumen, sondern auch zum Säubern von Alpweiden gebraucht. Damit liessen sich Stauden und Grotzen entfernen. Steinwerkzeuge wurden bis in die Bronzezeit hinein gebraucht. Erstens waren sie billiger (im Tauschhandel), und zweitens taten sie ihren Dienst auch. Dieses Beil ist in der Grösse und Form fast wie die Funde von Steinbeilen auf der Bürg.

 

 

2. Die Kolumban-Kirche in Faulensee

Das Kolumban -Kirchlein war einst dem Andenken des heiligen Kolumban geweiht, der als ihr Schutzpatron galt. Lange vor der Reformation soll es ein vielbesuchter Wallfahrtsort gewesen sein. Schon 1453 wurde in einem Protokoll des Visitationsberichtes des Bischofs von Lausanne erwähnt, dass das Kirchlein dem Zerfall entgegengehe. Trotzdem blieb das Mauerwerk noch bis ins 19.Jahrhundert als malerische Ruine erhalten.

Wer war dieser heilige Kolumban, dem das Kirchlein in Faulensee geweiht war? Kolumban war der väterliche Weggenosse des heiligen Gallus, der mit ihm zusammen in den Jahren 610-612 den heidnischen Alemannen, Kelten und Romanen im heutigen Gebiet der Schweiz das Christentum gebracht hat.Nichts hindert anzunehmen, dass Kolumban auch in das Gebiet des Thunersees gekommen sein könnte.

Das Kirchlein in Faulensee stammte vermutlich aus der Frühzeit der Christianisierung unseres Landes. Es dürfte aus dem Anfang des 7.Jahrhunderts stammen. Auch die Gründungen der benachbarten Kirchen von Spiez, Einigen, Leissigen und Scherzligen dürften in diese frühmittelalterliche Zeit zurückgehen.